Meine Liebe zu Wörtern und Sprichwörtern, Sprache und Sprachwitz haben mich dazu bewegt den Beruf einer Stadtführerin, Rednerin und Moderatorin zu ergreifen. Worte sind für mich ein Lebenselixier und ich staune immer wieder über deren Macht. Mein Berufsleben ist durch die Vielfältigkeit der Aufgaben eine emotionale Achterbahn, da ich in Ausnahmesituation ganz nah an den Menschen bin. 

Lachen und Weinen, Sprüche klopfen und Menschen auffangen, genau das möchte ich mit euch teilen und mir meine Erlebnisse von der Seele schreiben.

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  • Gaby Fischer

Augenblicke für “meine” Ewigkeit!

Aktualisiert: Apr 15


Foto: www.fotoschmaus.de


Wir alle feiern gerade das etwas andere Osterfest.

Zu unserer späteren Erinnerung: Es ist immer noch Corona-Zeit, die wievielte Woche kann ich gar nicht sagen. Auch nicht, wie lange die Ausgangssperre noch geht. Meistens weiß ich grad nicht mal, was wir für einen Wochentag haben. Wie Weihnachten und Ostern zusammen ;-)


Ich erlebe Dinge, die ich im “normalen” Leben nie erlebt habe. Die möchte ich mit euch teilen…

***Es fängt damit an, dass ich diesen Zustand, in dem ich mich gerade befinde, noch niemals erlebt habe seit Beginn meines Arbeitslebens - und das liegt Jahrzehnte zurück. Wenn ich mal von Urlauben oder Rehas absehe - aber das war planbar und zeitlich begrenzt. Noch nie hatte ich einfach KEINE Termine. Nach der ersten Woche mit Panik und Beunruhigung habe ich mich jetzt daran gewöhnt und fange es an zu geniessen. Dieses Vakuum. Es ist nicht meine Schuld, und ich versuche, mich nicht anstecken zu lassen von schlechter Laune oder Pessimismus, sondern das Beste aus der Situation rauszuholen, den Moment zu geniessen, ihn sogar als Geschenk zu sehen. Mittlerweile habe ich mir abgewöhnt, alle Berichte und Reportagen über die C-Krise zu verfolgen. Herrlich. Fernseher bleibt aus, Radio nur wenn gute Musik kommt. 



***Vor ein paar Tagen durfte ich beispielsweise meine Tochter vom Flughafen München abholen. Ihr müsst euch vorstellen, sie ist kurz bevor die Flüge alle gestrichen wurden, vor den allgemeinen Ausreisebestimmungen, knapp vor dem Lockout mit ihrem australischen Freund in dessen Heimat geflogen. Sie wollte dort Urlaub machen. Am Bahnhof in Ulm war ich so aufgelöst und richtig trübsinnig. Ich wusste nicht, wann sie wieder kommt, ob sie wieder kommt, wie die Lage in Australien ist etc. Tränenblind bin ich heimgefahren. Ob ihr es glaubt oder nicht, sie war glaube ich die Einzige, die in dieser Zeit einen halbwegs normalen Urlaub hinbekommen hat - trotz der Beschränkungen, die auch in Australien ausgesprochen wurden, hat dort am Strand geheiratet 



ich bekomme nur Hochzeitsabsagen - und ist dann planmäßig mit ihrem Flieger und neuen Mann zurückgekommen! Ich kann euch gar nicht sagen, wie unglaublich erleichtert ich war und vor allem - kaum zu glauben!! Als ich sie abholte, kam vor ihr der Flieger mit den vielen Masken und dann meine Tochter!

Ganze 20 Minuten bin ich im Flughafengelände rumgelaufen und habe KEINEN EINZIGEN MENSCHEN gesehen! Das Foto, das ich gemacht habe, ist für mich persönlich das Bild des Jahres!!!!



*** Ich erlebe Situationen, die mich erinnern, wie das Leben vor ca. 30 Jahren war. Beim Spazierengehen beispielsweise. Da treffe ich auf Nachbarn, mit denen ich noch nie geredet habe. Ein Imker zeigte mir seine Sandbienen und ich hatte Zeit, mir das anzuschauen und zu geniessen! Die Leute stehen am Zaun, unterhalten sich, ohne Zeitdruck, das hab ich schon lange nicht mehr gesehen!


***Vor ein paar Tagen bin ich mit meinem Fahrrad aufs Land gefahren, wo meine andere Tochter wohnt. Dort steht mein neu erworbenes, aber altes Wohnmobil. Ein jahrzehntelanger Wunschtraum von mir hat sich - bis jetzt - erfüllt!!! Diesen habe ich mir im Februar gekauft  von meinem Ersparten. Ob ich ihn halten kann, weiß ich nicht, das hängt davon ab, wann ich wieder Geld verdiene. Deswegen hab ich auch immer wieder ein bisschen Bauchweh. Momentan kostet es mich nichts, ich kann ihn weder zulassen noch rumfahren. Aber ich wollte es herrichten und innen rausputzen.



Also radelte ich 2 Stunden zum Zielort. Das Wetter war herrlich und der Freund meiner Tochter auch daheim. Spontan beschlossen wir, ein Mittagsbier zu trinken!!!


*dies ist keine Werbung! :)

Abgesehen davon, dass ich ziemlich betrunken war, war es herrlich, in der Sonne zu sitzen, keine Termine zu haben und zu lachen. Das Allerbeste: ich hab einfach beschlossen, nicht zu putzen, sondern diese Aktion irgendwann auszuführen!  Erst beim Heimradeln merkte ich, was das für ein Luxus ist!!! NIEMALS hätte ich mir das vorstellen können. Mein Zeitplan ist normalerweise komplett durchgetaktet und mich nicht daran zu halten - ein Unding!!!

Ich fühlte mich so unglaublich frei!!!! 

Beim Heimradeln durch die Dörfer ist mir aufgefallen, dass die Zeit tatsächlich still steht. Keine Hektik, keine Panik, nur Beschaulichkeit, Menschen, die sich ohne Hast bewegen. Wie lange hab ich das nicht gesehen!!!


***Während meiner langen Spaziergänge überquere ich manchmal Autobahnbrücken und staune über diese!!! Es erinnert mich ein bisschen an 1973 - damals als die Ölkrise war und wir sonntags nicht fahren durften. Unglaublich, wie die Straßen gerade aussehen! 



***UND…bei mir ist im Kopf erst eine Art Blitz eingeschlagen, nach dem Motto: wenn Langeweile auf Kreativität trifft…. habe ich beschlossen, ein Hörbuch zu schreiben. Es ist gar nicht so leicht, aber ich bin Feuer und Flamme und habe auch schon richtig tolle Leute an Board, die begeistert mitmachen wollen!


***Ich erlebe die komplette Entschleunigung, ehrliche Begegnungen, kein Streß, keine Hektik und wünsche mir so sehr, dass wir alle etwas Positives von dieser Zeit mitnehmen können.


Nun weiß ich aber, dass nicht jeder in meiner Situation ist. Diejenigen, die gerade arbeiten müssen, arbeiten mehr. Da nehme ich jetzt gerade die Gesundheitsberufe und ziehe meinen Hut vor all jenen, die in dieser schwierigen Zeit noch mehr leisten müssen! Hoffentlich gibt es in diesem angeschlagenen System nachhaltige Besserungen, das würde ich mir sehr wünschen! 


Wenn wir schon beim Wünschen sind: es wäre doch auch ein Gewinn für uns alle, wenn Tagungen und Sitzungen weiterhin als Videokonferenzen stattfinden, anstatt in den Flieger zu sitzen und unter sehr großem Aufwand zu tagen.


Oder wie wäre es, wenn ein Konzern wie Metro seine Werbung nicht noch in Plastik verpackt, um sie dann ungefragt zu verschicken.


Und auch wenn wir uns mal überlegen, ob es sein muss, dass wir Massentierhaltung haben. Hier ist nachgewiesen, dass es nicht nur die Treibhausgase um ein vielfaches belastet, sondern auch die ganze Getreide-Landwirtschaft aus dem Gleichgewicht bringt und unserer Gesundheit nicht gut tut. Von der Haltung der armen Tiere und deren Qualen ganz zu schweigen! 


Vielleicht auch ein Gedanke an die vielen Lehrer und Erzieher. Schön wäre es, sie würden nach der Krise mehr Achtung und Respekt bekommen - jetzt wo viele Eltern als Hilfslehrer  am verzweifeln sind.


Natürlich denke ich auch an die vielen Familien, die in den Großstädten in kleinen Wohnungen leben. Wie schwer muss das sein, nicht einfach in die Natur raus zu können! 


Diese Liste mit Wünschen und und Weltverbesserungsvorschlägen ließe sich ganz bestimmt endlos fortsetzen. Das sind jetzt nur ein paar Gedankengänge aus diesen Tagen.


Soviel zu Ostern in diesem Jahr.  Ich wünsche uns allen, dass wir diese besondere Zeit nutzen können und dass am Ende viel Gutes entsteht! Dass Achtsamkeit, Miteinander, Rücksichtnahme und respektvoller Umgang mit uns und mit der Natur mehr an Gewicht gewinnen! Denkt daran: es ist alles ein großes Ganzes, ein Geben und ein Nehmen, ein ewiger Kreislauf. 



Fotos: www.fotoschmaus.de


Wenn ihr jetzt denkt, ich werde langsam weise und besonnen und mutiere mehr und mehr zum Dalai Lama ---- hihi…. keine Sorge ;) deshalb werde ich mich für heute mit einer Gaby-Geschichte verabschieden. 



Vor 2 Wochen musste ich zu einem Termin und hab mich von den leeren Straßen  verleiten lassen und bin zu schnell gefahren. (bissle geflunkert, ich fahre auch schnell wenn viel los ist) Was soll ich euch sagen... tscheng-beng hat’s geblitzt!!! Nun möchte ich meine Flüche ungern weitergeben, das Resultat kam vor 2 Tagen an. HEIMATLAND!!!

Ein Bescheid mit einer wahrscheinlich saftigen Geldstrafe und wenn ich Pech habe, sogar einem Fahrverbot. Das wäre natürlich der Supergau…nach dem langen finanziellen Einbruch noch das obendrauf. Eine doppelte Ausgangssperre sozusagen! In meiner grenzenlosen Naivität hatte ich gedacht, wenn nichts mehr geht, gehen die Blitzer auch nicht!!! Natürlich kann ich auch nicht sagen, ich war das nicht. Das Bild ist zwar grottenschlecht, aber meine Haare dafür umso charakteristischer. Aber egal welche Sprüche ich klopfe oder was ich auch anstelle - ich stehe natürlich zu meinem Wort und auch zu meinen Sünden. Wäre natürlich der Kracher, wenn ich das rückwirkend ausführen kann, aber das ist leider nicht möglich, schätze ich. 


Was ich daraus lerne? Dass ich beim nächsten Mal eine Badekappe aufsetze wenn ich geblitzt werde… hahahahaha!!!


Fast vergessen mein Songvorschlag für heute, weil ohne Musik geht´s gar nicht:

I’m walking on sunshine

Zum einen als Gute-Laune-Lied und zum anderen vielleicht als Einstimmung auf das eventuelle Fahrverbot ;-)


Bleibt bei Laune und kommt gut aus der Krise. Nur nicht zu schnell. Und wenn zu schnell dann mit Badekappe!!!!


Danke fürs bis hierher lesen und wie immer freue ich mich wirklich über eure Rückmeldungen und Kommentare!